Feierabend-Gründer-Interview

Von wegen Eintagsfliegen - Männer tragen wieder Querbinder.

 

Ein Interview mit dem jungen Modelabel Feierabend aus Münster.

 

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Frau Katarina Orlovic für die unkomplizierte Zusammenarbeit und das ausführliche Interview - erschienen in [partner:] der pma.



Lars und Christian haben beide BWL studiert und sind inzwischen unter die Wirtschaftsingenieure gegangen. Amelie hat auf der Schule für Modemacher in Münster eine Maßschneiderlehre gemacht und studiert dort nun Produktmanagement für Modedesign und Bekleidung.


Die Fliege als Herrenaccessoire galt eher als antiquiert. Wie

kommen drei junge Menschen auf die Idee, diesen Querbinder wieder aufleben zu lassen?

Das werden wir sehr häufig gefragt. Bedauerlicherweise können

wir nicht mit einer lässigen Gründerstory aufwarten, das Ganze

ist einfach irgendwie entstanden. Wir drei haben uns vor vier bis

sechs Jahren beim Studium in Münster kennengelernt und auch

außerhalb des Hörsaals viele witzige Stunden miteinander verbracht. Uns verbindet die Lust am Besonderen und wir mögen es, manchmal auf stilvolle Art und Weise aus der Reihe zu tanzen. Dieser Twist, ein vielleicht antiquiertes Herrenaccessoire – frei nach dem Motto "old fashion without being old fashioned"- in die heutige Zeit zu übersetzen, hat uns einfach gereizt und begeistert uns bis heute.

Außerdem ist sehr lehrreich, eben im Studium Gelerntes nach Feierabend anwenden zu können. So entstand aus einer fixen Idee Anfang 2016 das Label Feierabend.

 

Haben Sie besondere Erfahrungen gemacht bei der Gründung, Planung, Umsetzung?

Überraschend war, wie schnell und unkompliziert man eigentlich ein eigenes Unternehmen gegründet hat, auch wenn die eigentliche Arbeit dann erst anfängt.

Wir haben als Team gute Erfahrungen damit gemacht uns nicht Ewigkeiten mit Planung und Recherche aufzuhalten, sondern einfach erstmal mit Elan und Aktionismus zu starten, um anschließend zu schauen was davon übrig bleibt. Zwar gehen wir mittlerweile etwas überlegter vor, haben uns diese grundsätzliche Kurzentschlossenheit aber erhalten.

Der Grundsatz "im Zweifel lieber machen als nicht machen" hat sich bei uns sehr gut bewährt.

 

Worauf legen Sie besonders wert?

Qualität. Langlebigkeit. Individualität.

 

Dann fangen wir mal mit Qualität an. Wo werden Ihre Fliegen produziert?

Hier im schönen Münsterland! Wir arbeiten, seit Amelie die Schleifen nicht mehr selbst fertigen kann, mit einer Manufaktur aus dem münsteraner Umland zusammen. Für uns ist das einerseits eine Frage des Gewissens und hat andererseits auch ganz praktische Vorteile. Diese haben insbesondere mit der ausgezeichneten handwerklichen Verarbeitung und der gebotenen Flexibilität zu tun. Bei uns geht spaßeshalber manchmal der Spruch um „wir bekommen unsere Produkte zu Fuß schneller abgeholt als manch andere mit dem Privatjet“.

 

Welche Materialien werden für Ihre Fliegen verwendet?

Klassischerweise sind Fliegen meist aus Seide, heutzutage leider auch häufig aus anderen glänzenden, synthetischen Geweben. Wir haben uns für unsere bunten Schleifen bewusst gegen diese beiden Möglichkeiten entschieden. Wir verwenden feinste Baumwolle, bunt bedruckt und ohne aufdringlichen Glanz. Nur dadurch können wir die versprochene Langlebigkeit unserer Produkte garantieren. Unsere Schleifen lassen sich unendlich oft binden und nehmen davon keinen Schaden – ein Leben lang. Neben den bunten Baumwollschleifen, die sich übrigens immer von zwei Seiten tragen lassen, nehmen wir demnächst auch ein noch festlicheres Modell für besondere Abendanlässe ins Programm- man darf gespannt

sein.

 

Sie sagen, dass Ihnen Individualität wichtig ist. Wer designt die Fliegen?

Wie auch alle anderen Schritte in unserem Betriebsablauf, ist das Design nicht die Entscheidung einer einzelnen Person. Wir arbeiten alle drei daran und beraten uns gegenseitig. Allerdings sind Amelie und Lars hierbei federführend. Bisher bestand der Designprozess in erster Linie aus Recherche und dem Auswählen und Kombinieren von verschiedenen bereits bestehenden Mustern und Stoffen. Inzwischen haben wir die Möglichkeit auch die Muster selbst zu entwerfen. An diesen arbeiten wir gerade auf Hochtouren und freuen uns, im September unsere neue Kollektion präsentieren zu dürfen!

Besonders stolz sind wir, dass wir dadurch in Zukunft für bestimmte Anlässe und Kunden auch nach individuellen Wünschen exklusive Schleifen designen können. Dies wird sowohl für den Handel, Restaurants und Hotels aber auch für andere Geschäftspartner und Unternehmen ein neues Angebot sein die eigenen Corporate Identity in ganz neuer Form zu kommunizieren.

 

Macht die Fliege der Krawatte Konkurrenz?

Das ist eine schwierige Frage. Auf der einen Seite bietet die Fliege eine gehobene Alternative zur Krawatte und wird so auch immer stärker angenommen. Auf der anderen Seite gibt es Bereiche und Anlässe, in denen sich die Krawatte zurecht nicht ersetzen lässt. Das gilt in anderen Bereichen aber für die Fliege zum Glück genauso, man denke nur Mal beispielsweise an den guten alten Smoking oder Frack.

Wir beobachten aber ganz deutlich, dass insbesondere junge Männer bei festlichen Anlässen, wie Hochzeiten, entweder auf einen Binder verzichten oder aber zur Fliege bzw. Schleife greifen. Die klassische Krawatte spielt eigentlich nur noch im beruflichen Kontext eine Rolle.

 

Warum ist die Fliege wieder im Trend?

Unsere einfache Antwort ist: Es sieht einfach gut aus. Ein etwas komplexerer Erklärungsversuch ist, dass Junge Leute den Stilim klassischen Sinne wieder für sich entdecken. Unter anderem deshalb wird bei bestimmten Anlässen wieder mehr Wert darauf gelegt dem Gegenüber durch das eigene Auftreten seine Wertschätzung auszudrücken. Verstärkt durch den klaren Trend zum möglichst individuellen Erscheinungsbild, führt dies dazu, dass die Krawatte oft als „zu langweilig“ daherkommt. Auch bei älteren Kunden wird die Krawatte oftmals mit dem beruflichen Alltag in Verbindung gebracht. Alles zusammengenommen scheint die Fliege für viele die passende Alternative zu sein.

 

Bei jungen Erwachsenen steht die Fliege hoch im Kurs. Ist dies eine Frage von Stil oder wollen sich junge Männer modisch von ihren Vätern in diesem Punkt abgrenzen?

Wir leben, rein modegeschichtlich, in einer Zeit, in der es kaum mehr altersspezifische Mode gibt. Es ist gesellschaftlich nicht mehr vorgeschrieben, was Mann (zumindest in seiner Freizeit) zu tragen hat. Die Zeiten, in denen man das Haus nicht ohne Hut und Anzug verlassen hat, sind schon seit den 68ern vorbei. Seitdem hat sich die Mode mehr und mehr zu einer Möglichkeit entwickelt, der eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Genau das sollen auch unsere Schleifen sein – ein Stilmittel.

 

Lässt sich die Fliege zu jedem Anlass tragen?

Prinzipiell lässt sich die Fliege zu jedem Anlass tragen, an dem man sonst auch mit Krawatte auftauchen würde. Allerdings eben auch zu sämtlichen Anlässen zu denen man eine Krawatte eigentlich etwas zu förmlich oder steif findet. Bei der festlichen Abendgarderobe, also zu Smoking und Frack, ist die Schleife ja sogar fester Bestandteil. Aber auch einfach zu Hemd und Hosenträgern oder ähnlichen individuellen lockeren Kombinationen ohne Sakko wird immer häufiger Fliege getragen.

 

Beim Binden gibt es Unterschiede: Die meisten Fliegen sind vorgebunden und können mithilfe eines Hakenverschlusses ganz einfach am Hemd befestigt werden. Demgegenüber steht Ihre selbst gebundene Schleife. Ist das richtige Binden nicht eine Kunst für sich?

Wenn man ehrlich ist, dann bindet fast jeder Mensch täglich einen Schleifenknoten – am Schuh. Der Knoten der Schleife unterscheidet sich kaum, außer dass die „Schnürsenkel“ etwas anders aussehen und der Schauplatz direkt am Hals ist. Der Gedanke, Schleife binden sei schwierig, rührt unseres Erachtens daher, dass das Schleifetragen nicht mehr selbstverständlich ist. Die Krawatte hat ihre alltägliche Position beibehalten, daher sind die Menschen mit dem Binden eher vertraut. Wir sind uns sicher, dass die vorgebundene Fliege schon bald, ähnlich wie heute Krawatten mit Gummizug oder Klettverschluss, der Vergangenheit angehört.

 

Für wen sind die Querbinder von Feierabend?

Wir sind selbst immer wieder überrascht, wie vielfältig die Zielgruppe ist. Das Image des „Fliege tragenden verrückten Professors“ ist auf jeden Fall veraltet. Wir haben schon häufig versucht, unsere Zielgruppe genau einzugrenzen. Dies ist über das Alter nicht möglich.

Unsere Kundschaft erstreckt sich über alle Altersklassen: Von Jugendlichen zum Abiball über Studenten und Berufseinsteiger bis hin zu altgedienten Krawattenträgern. Wahrscheinlich lässt sich die Zielgruppe besser über ihren Lebensstil beschreiben. Dieser ist individuell, lebensbejahend, genießerisch und feierfreudig.

 

Wo kann man Ihre Fliegen kaufen?

Natürlich in unserem Online-Shop www.feierabend.ms! Dort findet man auch eine Liste mit den Einzelhändlern die uns bisher ins Sortiment aufgenommen haben. Außerdem sind wir auf verschiedenen Messen und Events vor Ort - auch das lässt sich auf unserer Website und den Sozialen Medien verfolgen.

 

Gibt es in Ihrer jungen Firmengeschichte etwas, worauf Sie besonders stolz sind?

Wir freuen uns immer wieder, wenn unsere Schleifen auf positive Resonanz stoßen. Besonders stolz waren wir über die von Professor Götz Alsmann, aber natürlich auch über das Vertrauen, dass unsere verschiedenen Einzelhändler in unsere Produkte gesetzt haben. Ein tolles Event war für uns die große Release Party des neuen Bentley Continental GT anlässlich der IAA im Frankfurter Hof, wo das Servicepersonal unsere Feierabend-Schleifen trug.

 

- Quelle: Katarina Orlovic; pma [partner:] -