Münster Urban #7 - unser erster großer Print-Artikel

Auszug aus der Münster Urban #7, November 2017: 

Wir wissen nicht, mit welchen Accessoires Sie der kommenden Festsaison begegnen werden. Und womit Sie Ihre Kollegen im Office beeindrucken. Für uns allerdings sind selbstgebundene Schleifen eine echte Option. Sie sind Farbtupfer, Hingucker und ein Statement für Kenner! Das Beste allerdings ist: Die Idee zum Revival dieses individuellen Stil-Klassikers stammt aus Münster. Feierabend.ms belebt eine alte Idee neu …

 

In Zeiten, wo Herrenmode der „Casualisierung“ verfällt,

wo Männer im Jogger über den Prinzipalmarkt

schlendern und die Krawatte sogar in Vorstandsetagen

immer seltener wird, halten ausgerechnet drei

sehr junge Unternehmer aus Münster mit ihrem Label

Feierabend.ms voll dagegen. Sie zelebrieren das Revival

der häufig salopp „Fliege“ genannten „Schleife“.

Und zwar der selbstgebundenen! Damit folgen sie

dem Gegentrend zur Lässigkeit. Denn „der gepflegte

Mann“, für den Münster neben kultigen Barbershops

nun sogar einen eigenen Pflegesalon vorhält (MU berichtete

in Ausgabe #6), ist ebenfalls im Aufwind. Es

ist etwa der Typus Mann, der sein Rad in einer Manufaktur

individualisieren lässt, der sich ab und zu etwas

Maßgeschneidertes leistet, der Craft-Bier genießt

und hochwertige Produkte mit Geschichte liebt. Und

die Schleife an sich ist einfach etwas Besonderes: Vormals

waren die von vornehmen Herren bevorzugten

Modelle noch wesentlich größer. Seit etwa 1870 sind

sie auf ein kompakteres Format reduziert worden. Am

häufigsten zu sehen ist die elegante Form der Schleife

wohl als Pendant zum Frack und Smoking bei den

entsprechenden festlichen Abendgesellschaften. Wer

einmal den Einzug der Gäste beim alljährlichen traditionellen

Kramermahl des Vereins der Kaufmannschaft

in Münsters Rathaus gesehen hat, der weiß

um die besondere Bedeutung der Schleife als feste

Größe. Die Schleifen, um die es uns hier geht, sind

aber weniger formell.

Wir möchten uns an dieser Stelle beim gesamten Team der Münster Urban für die tolle, interessante und unkomplizierte Zusammenarbeit bedanken!

Insbesondere bei Janina Tripp für die tollen Illustrationen und bei Britta Heithoff für den Text!




Hinter Feierabend.ms steckt eine studentische Gründerstory, wie Münster sie mit einem ähnlichen Produkt schon einmal erlebt hat. Wer in den Achtzigerjahren schon hier unterwegs war, erinnert sich vielleicht an den großen Erfolg des Labels Duke mit seinen knallbunten Schleifen, das damals von BWL-Studenten während ihres Studiums lanciert wurde. Einer der Gründer, Peter Boder, ist heute CEO der United Labels AG, eines der führenden Hersteller und Vermarkter von Comic Lizenzprodukten in ganz Europa. Es war vor gut 30 Jahren, als er seine ersten unternehmerischen Schritte tat, als formale Kleidung noch Standard war – und als mit bunten Duke-Schleifen völlig neue Impulse in den Markt kamen.

Christian Binder, Amelie Rost und Lars Heinrich,Gründer von Feierabend.ms, haben ebenfalls Spaß an der mutigen Variation von Outfits. Heute geht es aber damit eher hin zum Formellen, anstatt sich davon zu entfernen. Die drei Gründer haben die Faktoren Nachhaltigkeit und „made in Germany“ sowie auch einen besonderen Aspekt der Langlebigkeit im Sinn. Denn

für ihre Schleifen gilt, dass sie auf viele Einsätze ausgelegt sind und mit jedem Binden schöner werden.Nicht nur, weil sie in einer kleinen Manufaktur in Coesfeld mit ganz viel Geduld, Geschick und Genauigkeit gefertigt werden, sondern auch, weil Feierabend.ms um die Kraft der Kleidungsstücke weiß, mit denen Erlebnisse verbunden und Erfahrungen verknüpft

werden – der geliebte Lederschuh, in dem man so manchen Kilometer zurückgelegt und heiße Nächte durchgetanzt hat, erzählt seine eigene Story. Mit den Feierabend.ms-Schleifen soll das ebenso sein.

Die Gründer hatten 2015 Marktforschung betrieben.

In ganz Münster fanden Sie nur in einem einzigen

Fachgeschäft am Prinzipalmarkt eine Schleife zum

Binden, alle anderen Herrenabteilungen boten lediglich

fertige „Propeller“. Da Christian Binder (23) und Lars Heinrich (24), damals Studenten der Betriebswirtschaft,

aber viele junge Menschen kannten, die eine Schleife als Alternative zur Krawatte schätzten, verknüpften sie diese Erkenntnis mit den Aussagen von Einzelhändlern, die ebenfalls eine steigende Nachfrage beobachteten. Praktisch, dass direkt auch Amelie Rost (23) mit im Boot war. Sie studiert Produktmanagement für Modedesign und Bekleidung an der Schule für Modemacher Münster und absolviert eine

Ausbildung als Maßschneiderin – damit ist sie prädestiniert für den fachlichen Teil der Herstellung auf dem gewünschten hohen Niveau. Fast 24 Monate nach Gründung können die drei Jungunternehmer bereits auf spannende Schritte in

die richtige Richtung und reichlich Erfahrungen zurückschauen: Schleifenbindeworkshops mit gut gelaunten Kunden, einen Pop-up-Verkauf in Frankfurt, erste Landpartie-Ausstellungen, ein Sponsoring als Ausstatter der Bentley-Release-Party des Continental GT und die Tatsache, dass Professor Götz Alsmann, Münsters Schleifenliebhaber schlechthin, zwei Modelle

von Feierabend.ms trägt.

Auch im Einzelhandel unserer Stadt ist das Label angekommen: Der Schuhsalon auf der Bogenstraße hat verschiedene Modelle im Sortiment. Zu unserer großen Freude auch die ganz neue „Münster Urban“-Schleife (oben links) mit Fahrrädern und Sternen.